Mit Dankbarkeit zu Liebe und Erfolg


Bild: www.sxc.hu

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Inflationär werfen wir täglich, manchmal minütlich, mit dem Wörtchen „danke“ um uns. Jeder, der es hören will und auch die, die es überhören, bekommen eine Ladung ab – routinemäßig, spröde und kalt. Der hohle Dank türmt sich zu Eisbergen auf, umlagert uns und krallt sich fest.

Wer kann noch richtig DANKE sagen? Mit Wärme und aus vollem Herzen? Dabei gibt es so viel, für was wir dankbar sein können. Der Postbote bringt das Paket genau zur richtigen Zeit, der Busfahrer wartet, damit wir noch einsteigen können, der Bäcker legt ein Brötchen mehr in die Tüte. Die Sonne scheint am Hochzeitstag, die Ampel wird grün, wenn wir es eilig haben und in der Zigarettenpause blinkt das große Rauchen-Erlaubt-Schild. Ist es nicht ironisch? Wie viel echte Dankbarkeit wir geben können, wenn wir nur aufmerksam sind.

Deutschland gehört zu den zehn reichsten Ländern der Erde. Doch während die Glücksgefühle anderer Nationen höher und höher schnellen, auch weil Sicherheit, Toleranz und Demokratie steigen, verziehen sich die Mundwinkel der Deutschen weiter nach unten. In einem Ranking, welches „Spiegel online“ im ArtikelDie Welt wird immer glücklicherbespricht, führen unsere direkten Nachbarn, Dänemark, die Schweiz und Österreich die Liste an. Deutschland kommt in Sachen Zufriedenheit auf einen überschaubaren 37. Platz.

Gibt es einen Zusammenhang von Dankbarkeit und Glücklichsein? Macht uns die Fähigkeit, echte Dankbarkeit zu empfinden und weiterzuleiten, glücklich(er)? Robert Emmons und Michael McCullough haben 2003 ein simples Experiment dazu entworfen: Sie ließen einige Probanden darüber nachdenken, wofür sie in ihrem Leben dankbar sind. Die Kontrollgruppe dachte in diesen Minuten an etwas ganz Anderes. Die kurze Reflektionsübung wiederholten die Wissenschaftler zehn Wochen lang, jede Woche einmal. Das Ergebnis überrascht: Im Vergleich zur Kontrollgruppe zeigten „die Dankbaren“ zu dieser Zeit wesentlich mehr Motivation. Sie sagten, sie seien glücklicher, zufriedener und optimistischer im Hinblick auf die kommende Woche. Selbst Gesundheitswerte und Immunabwehr verbesserten sich. Schon der Gedanke an Dankbarkeit, machte die Probanden glücklicher und gesünder.

Dankbarkeit ist nicht nur ein schönes Gefühl, Dankbarkeit ist ein Schritt auf dem Weg zu Glück, Liebe, Erfolg. Sie verbessert nicht nur unser Miteinander, sondern auch das Miteinander des Miteinanders und so weiter. Dankbarkeit ist ein Stein, den wir ins Wasser werfen und der immer größere Wellenberge formt. Dankbarkeit steckt an. Und kommt zurück.

Es braucht auch nicht immer eine Person sein, der wir danken. Warum nicht auch der Liebe danken, die wir geben und die wir bekommen? Oder der Arbeit, dem Sattwerden, der freien Meinungsäußerung, der Gesundheit sowieso. Wir behandeln diese Dinge oft wie Selbstverständlichkeiten, aber das sind sie nicht. Gesundheit wird uns meist erst bewusst, wenn wir krank sind und fluchen. Warum den Spieß nicht umdrehen und bei jedem Gang ins Badezimmer das Mantra wiederholen: „Ich bin dankbar für meine Gesundheit! Ich bin dankbar für meine Gesundheit! Ich bin dankbar für meine Gesundheit!“.

Eine andere Möglichkeit, sich öfter ans Dankbarsein zu erinnern, stammt von der Psychologin Elsbeth Martindale. Statt eines Knoten im Taschentuch braucht es lediglich eine Hand mit fünf Fingern. Machen Sie die Übung doch gleich mit!

      • Berühren Sie ihren kleinen Finger und denken Sie an eine Sache, für die Sie zutiefst dankbar sind.
      • Beim Ringfinger erinnern Sie sich an Personen in ihrem Leben, denen Sie aus vollem Herzen mit Liebe begegnen können. Das kann die Mutter ebenso sein, wie die beste Freundin.
      • Der Mittelfinger benennt eine Sache, die Sie für einen anderen Menschen getan haben und wofür Sie sich gut fühlen. Könnten Sie diese Sache wiederholen? Tun Sie es zu gegebener Zeit!
      • Der Zeigefinger zeigt auf etwas Schönes in der Natur. Das können Grashalme sein, die sich durch den Beton an die Oberfläche kämpfen oder der Wind, der ein Blätterkonzert dirigiert. Entdecken Sie etwas in Ihrem Umfeld, das Sie inspiriert und begeistert.
      • Der Daumen steht für etwas, worauf Sie stolz sind. Machen Sie sich ihre Stärken und Talente bewusst, atmen sie in Bauch und Brust, geben Sie sich selbst Anerkennung.

Wer nun sogleich den Dank in die Welt tragen will: Im Internet hat Christiane Deutsch eine „offizielle“ Dankstelle eingerichtet, wo man sich für den Sahnekuchen der Nachbarin ebenso bedanken darf wie für den Fünfer im Lotto – anonym oder nicht. Und noch etwas: Heute, am 11. November, ist Martinstag, benannt nach dem asketischen Mönch Martin von Tours. Einige Evangelikale gedenken jeden Tag einer bedeutenden Persönlichkeit der Geschichte. Ein Blick in den Heiligenkalender hilft dem, der nicht weiß, bei wem er sich bedanken soll. In diesem Sinne: Vielen Dank fürs Lesen, Begreifen und Umsetzen, für Freude und Feedback, Vernunft und Gefühl.