Robert Dilts Exklusivinterview

2010 hat Robert Dilts ein Seminar in Wien über Kreativität gehalten. Herbert Grundböck hatte (im Auftrag des SelbstCoaching Magazins) die Chance auf ein exklusives Interview. Dieses daraus dürfen wir euch heute mit Genehmigung von Herrn Grundböck erstmalig im deutschen Sprachraum vorstellen – Vielen Dank dafür an Robert und Herbert!

Herbert Grundböck:

Warum ein Seminar über Kreativität?

Robert Dilts:

Kreativität ist einer der Schlüssel für Erfolg. Ein Erfolgsfaktor sozusagen. Wenn du das Überleben einer Spezies betrachtest, da zeigen sich immer Arten von Kreativität. Diese kommen in der Form von Flexibilität, Adaption, oder ähnlichem vor.

Hier an unserem Seminar sagte ich, das es ein Hauptzeichen von vielen erfolgreichen Menschen, Unternehmen und Gesellschaften ist. Kreativität ist ein natürlicher Zustand. Dieser ermöglicht einem Lebewesen, ganz gewiss einem Menschen, Zufriedenheit und Erfolg. Man findet es als eine notwendige Komponente überall im Leben.

Wenn wir auf erfolgreiche Unternehmen und Organisationen blicken, sehen wir, dass Kreativität essential für das Überleben im Wettbewerb ist. Einfach um konkurrenzfähig zu bleiben, die Latte höher zu legen und um kontinuierlichen Fortschritt zu ermöglichen.

 

Die Herausforderung, der Grund warum ich ein Seminar darüber mache ist, obwohl Kreativität natürlich ist und man sagen kann, das Leben selbst ist kreativ, es ist schöpferisch und die Welt und die Dinge darin wachsen und sind generativ, ist, wie ich auch in meiner Arbeit, im Coaching mit Individuen, oder Firmen immer wieder erfahre, dass Kreativität eine von den Sachen ist, wo jeder weiß, dass er sie dringend braucht, aber keiner weiß wie man sie strukturiert, organisiert und sozusagen auf Abruf bereit hat.

Interessanterweise, sind wir oft und natürlicherweise spontan kreativ, aber wenn es darum geht dies auf Dauer zu sein, braucht es Strategien um die Bedingungen für Kreativität zu schaffen. Was ich oft sehe, ist, dass kreativ sein für die Leute oft mysteriös erscheint. Die Menschen wissen nicht viel von dem Prozess Kreativität. Oft wissen wir von den natürlichsten Dingen, das wenigste. Es ist so wie wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht.

 

Warum jetzt ein Seminar über Kreativität? Da gibt es mehrere Gründe. Erstens, es bringt Aufmerksamkeit zur Kreativität, zu dem was es als Prozess ist.

Zweitens, was auch das offensichtliche Ziel des Seminars ist, Tools und Strategien zu geben und die Wege welche die Bedingungen schaffen um Kreativität hervorzubringen und zu ermöglichen. Speziell an solchen Orten und zu solchen Zeiten, wo sie gebraucht wird. Weil das was oft passiert ist, dass zu den Zeiten an denen die Menschen am meisten kreativ sein müssen, sie blockiert sind und Überlebensmechanismen automatisch ablaufen. Die Möglichkeit kreativ zu sein, wann und wo es gebraucht wird, benötigt Geschicklichkeit und Fähigkeiten. Sich einfach nur darauf zu verlassen, dass etwas spontan oder von sich aus passiert führt oft zu Misserfolg. Oftmals sind wir spontan und von Natur aus kreativ, aber wenn es konstant benötigt wird, dann braucht es einen gewissen Werkzeugkasten.

Zum Beispiel habe ich 20 Bücher geschrieben und wenn man schreibt, dann kann man nicht nur herumsitzen und auf die Inspiration warten. Die Leute fragen mich oft: „Wie findest du die Zeit um Bücher zu schreiben?“ Und ich sage: „Ich finde die Zeit niemals, wenn ich warten würde um die Zeit zu finden, dann hätte ich sie nie.“ Du musst dir die Zeit schaffen. Also wenn du dir die Zeit nimmst, dann sage ich zu mir selbst, ich schreibe jetzt von dieser bis zu jener Stunde und dann muss ich kreativ sein, exakt zu dieser Zeit.

 

Eine Sache die mir sehr klar ist, ist, dass es ziemlich schwierig für jemanden sein kann, einfach so auf Kommando kreativ zu sein. Das ist so, wie ich hier in diesem Seminar gesagt habe, wie Mozart sagte: „Ich kann die Noten nicht dazu zwingen in meinen Kopf zu kommen, ich kann die Musik nicht erzwingen.“ Und das ist die interessante Sache an der Kreativität, man kann sie nicht erzwingen. Aber wenn du kreativ sein musst, dann musst du wissen, wie du sie erzeugen kannst. Wie kann ich die Bedingungen schaffen, wie kann ich in einen schöpferischen Prozess kommen?

 

Der Titel unseres Seminars lautet: Stimuliere Kreativität. Die Frage dazu ist, wie stimuliere ich sie so, damit ich sie für eine bestimmte Zeit fließen lassen kann? Wie komme ich in den richtigen Zustand, um etwas zu produzieren, dass gute Qualität besitzt, dann wenn ich es benötige, wenn ich die Zeit zur Verfügung habe? Das ist einer der Gründe für das Seminar. Es geht darum Kreativität zu managen.

 

H. G.:

Robert, es ist bekannt, dass du viele Bücher schreibst. Was denkst du ist effektiver, hilft den Leuten mehr sich persönlich zu entwickeln, zu wachsen und Neues zu lernen, Bücher oder ein Seminar? Oder die Kombination aus Beiden?

 

R. D.:

Ich denke Bücher sind mehr dazu da, Menschen zu informieren. Ein Buch ist gar nicht wie ein Seminar. Auch ein Video ist verschieden von einem Buch. Und ein Seminar unterscheidet sich von einem Buch oder Video. Ich glaube Bücher sind sehr nützlich um einen Inhalt sehr kognitiv und klar zu kommunizieren. Aber ich denke auch, ein Buch ist sehr limitiert. Es ist nicht leicht, dass man mehr als kognitives Verstehen daraus bekommt und zwar wegen der Natur dieses Mediums. Auf der anderen Seite kann es sehr viel Klarheit geben und hilfreich sein Dinge zu strukturieren.

 

Bei einem Seminar geht es mehr darum Dinge zu erfahren. Man erhält viel mehr von dem, was wir das „Feld“ nennen. Man hat Leute dort, macht Übungen. Es geht nicht nur um Informationen, es geht um die Erfahrung. Wir sagen immer, um etwas wirklich zu lernen, so dass es eine bewusste Kompetenz ist, muss man es tun. Was wir unter Bewusster Kompetenz verstehen ist, dass ich etwas bewusst geschehen lassen kann. So wie ein guter Musiker eine Bewusste Kompetenz mit seinem Musikinstrument hat.

 

Weiters kannst du über etwas bewusst sein, aber nicht kompetent. Du kannst wissen was du tun sollst, aber nicht in der Lage sein es zu tun. Das nennt man Bewusste Inkompetenz. Du kannst auch etwas tun, aber nicht wissen, was genau du tust. Das bedeutet Unbewusste Kompetenz.

 

So, wenn du ein Buch liest, kannst du etwas wissen, aber es bedeutet nicht, dass du es auch tun kannst. Wir sagen, wir wollen Referenzerfahrungen miteinander verbinden. Was bedeutet, wir wollen die Erfahrung mit der kognitiven Landkarte verbinden. Ein Buch ist wie eine kognitive Landkarte. Durch Übung erhältst du die Erfahrung. Dann fügt man diese Beiden zusammen. Das Ergebnis ist eine „erwachende“, erleuchtende Art von Lernen.

Ich denke, du kannst Dinge aus einem Buch heraus ausprobieren; und weil wir gerade dabei sind, Leute, die viel Erfahrungen gemacht haben und Bücher über das Gebiet in dem die Erfahrungen stattgefunden haben lesen, sich dann beide miteinander verbinden. Das Gelesene ist dann nicht nur informativ, ich erfahre es auch, bzw. die Erfahrung wiederholt sich in mir.

Aber wenn du nur ein Buch liest ohne vorherige Erfahrung, dann ist es einfach nur eine Idee. Es ist nicht so, dass ich das Buch lese und ich kann es dann tun.

Manche Bücher, ich kann sie lesen und weil ich schon einen gewissen Hintergrund von Erfahrungen habe, kann ich raus gehen und es anwenden. Das Buch hilft mir diese Erfahrungen zusammen zu fügen und zwar auf eine Art und Weise, die es mir ermöglicht etwas damit anzufangen. Speziell wenn jemand nicht die Erfahrung hat, dann ist etwas wie ein Seminar besser. Wir sagen: „Um etwas wahrlich zu meistern braucht es 10000 Übungsstunden!“

 

H. G.:

Um Schlusszufolgern: Zuerst ein Seminar besuchen und dann das Buch dazu lesen.

R. D.:

Ja, das ist eine gute Strategie. Schau, da gibt es zwei Hauptlernstile. Induktiv und Deduktiv. Induktiv bedeutet zuerst die Erfahrung zu machen und danach die „Landkarten“ zu bekommen. Deduktiv ist zuerst die „Karte“ zu erhalten und dann die Erfahrung dazu zu machen. Was ich in der Welt da draußen so sehe, ist, dass viele Menschen lieber zuerst darüber lesen und danach gerne lernen wie es funktioniert.

Nehmen wir ein Iphone als Beispiel. Manche Leute lesen nichts darüber, probieren einfach herum und lesen dann die Anleitung dazu. Andere lesen zuerst die Anleitung und versuchen das neu gelernte umzusetzen. Ich selbst, bin nicht der Typ, der die Beschreibung zuerst liest, weil ich nicht genug Gefühl dafür habe, diese sinnvoll umzusetzen.

Aber es hängt wirklich vom individuellen Lernstil ab. Generell denke ich Bücher sind sehr nützlich, weil sie präzises kognitives Verständnis schaffen.

Die Art wie ich schreibe unterscheidet sich von der Art wie ich spreche. Mein Schreiben ist viel klarer, auch weil es visuell ist, aber auch weil die Funktion des Schreibens mehr strukturiert ist.

 

H. G.: Lernen ist eine individuelle Sache, manche Menschen tun sich leichter deduktiv andere induktiv.

R. D.: Ja. Aus diesem Grunde empfehle ich verschiedenen Menschen unterschiedliches. Manchen sage ich, les zuerst ein Buch darüber. Anderen, nein, mache dir keine Gedanken etwas darüber zu lesen, bis du es zuerst mal versucht hast.

Wenn ich eine neue Stadt besuche, lese ich zuerst ein bisschen darüber, bevor ich dort hinkomme. Aber normalerweise lese ich viel mehr darüber nachdem ich dort war, weil ich mich frage, was war dies, oh was war das genau? Oft finde ich darüber zu lesen nicht so interessant bis ich dort war.

 

H. G.: Besuchst du die Stadt, nachdem du darüber gelesen hast, nochmals? Wie ist diese Erfahrung dann für dich?

Robert: Ja, ja. Wenn ich es nochmals erlebe, dann ist diese Erfahrung für mich viel reichhaltiger. Ich habe dann nicht nur die erste Erfahrung, die mir als Referenz zur Verfügung steht. Sondern auch Verständnis oder eine Geschichte dazu, eben etwas das eine neue breiter oder tiefere Bedeutung hinzufügt.

H. G.: Es ist nun ein Boden vorhanden, dem man hinzufügen kann.

R. D.: Exakt.

 

H. G.: Robert, bitte erzähle uns etwas über deine eigene Geschichte und diese in Verbindung mit NLP.

R. D.: Sicherlich. Meine Geschichte in Zusammenhang mit NLP ist, dass ich ein Student an der Universität von Kalifornien in Santa Cruz war. John Grinder war dort Professor für Linguistik. Das war Anfang der 70iger Jahre. Zuallererst, die Universität von Kalifornien in Santa Cruz war eine sehr progressive Uni. Sie kam aus den 60iger Jahren heraus und beabsichtigte nicht konform zu sein. Es war keine normale Uni, sie war dazu gedacht kreativ zu sein, unterstützte das Denken außerhalb der Box. Die Vision der Uni selbst war es nicht nur die Top- Professoren zu bekommen, sondern vor allem kreative Menschen. Die Leiter versuchten diese neue Idee über eine Universität zu unterstützen.

Sie hatten John Grinder eingeladen. Er hatte in dieser Zeit, sehr innovative Arbeit in den Bereichen der Linguistik, insbesondere in Grammatik und Syntax geleistet. Seine Arbeit handelte von dem Prozess und nicht von dem Inhalt der Sprache. Heute im Seminar haben wir über den Bereich der Exzellenz(1) gesprochen. Einer seiner Bereiche der Exzellenz war aus dem Inhalt rauszugehen, außerhalb davon zu sein, zu der Form von etwas. Dies ermöglichte ihm nicht nur Sprachen sehr schnell zu lernen, sondern machte ihn auch zu einem hervorragenden Linguisten. Weil es sich nicht nur um die Wörter dreht, sondern auch um die Anordnung der Wörter.

Ich selbst begann dort zu studieren, nicht als ein Linguist, sondern ich wollte ein Künstler werden. Deshalb studierte ich Kunst. Das war mein Hauptfach im ersten Jahr. Im zweiten Jahr wechselte ich mein Hauptfach zu Physik. Was ein bisschen ein Wechsel war, von der rechten Gehirnhälfte zur Linken. Aber im dritten Jahr entschied ich mich dafür mehr über Politik zu lernen. Hier ging es mehr um Menschen. Ich hatte diese Ganze Reihe von Fächern. Ich war in sehr viele verschiedene Sachen interessiert. Als ein Teil von meinen Studien über Politik, dachte ich es wäre sehr gut etwas über Sprache zu lernen. Daher besuchte ich eine Klasse über Linguistik, und es war einfach so, dass John Grinder der Professor war der diese Klasse abhielt.

Es war gerade die Zeit wo er und Richard Bandler ihr erstes Buch „Die Struktur der Magie“ fertig stellten, welches von diesen Sprachmustern handelte, in denen sie den Prozess des Modelling an Milton Erickson, Virginia Satir und Fritz Perls anwandten. Wiederum handelte es sich um den vorher erwähnten Bereich der Exzellenz, wo sie sich nicht nach dem Inhalt richteten, sondern nach dem Prozess. Da waren bestimmte Arten von Wörtern und dann Fragen die man stellen konnte, wenn Leute bestimmte Art von Sprache benutzten.

Ich war sehr beeindruckt von deren Arbeit, obwohl ich nicht Psychologie studierte. Eines der Sachen die ich nicht studierte(Lacht), erkannte ich dass ich sehr schnell fähig war, anderen Leuten Hilfestellung zu leisten. So begann ich.

Die erste Sache die ich tat, weil Bandler und Grinder hatten zu dieser Zeit nur Psychotherapeuten erforscht, war, eben durch meinen philosophischen und politischen Hintergrund, dass ich mit dem Meta Modell aufzeigte welche Sprachmuster Plato in seinen Dialogen benutzte hatte. Diese Sprachmuster waren auch unter Leuten wie Politikern, Lehrern, Philosophen usw. feststellbar. Diese Menschen benutzten auch diese Sprache, anders als Therapeuten, in die gegenüberliegende Richtung, anstatt zu klären, um zu verzerren.

John Grinder sah meine Arbeit als sehr interessant an. Es erweiterte deren Forschungsgebiet über das Feld der Psychologie hinaus. So wurde ich Teil einer Gruppe welche die Kern-Studenten der Beiden waren. Wir trafen uns einige Male in der Woche als Arbeitsgruppen in Grinders oder Bandlers Haus. Es gab eine Aufgabestellung über ein Thema und wir erforschten es.

Ab dieser Zeit, wo ich die Klasse mit Grinder besuchte, war auch die Zeit wo die Beiden ihre Arbeiten Gregory Bateson zeigten. Er fand es war gute Arbeit. Bateson kannte Milton Erickson und versuchte seit Jahren heraus zu finden was Erickson da so tat. Er dachte, die Beiden wären die Richtigen um heraus zu finden was Erickson da genau tut. Also schickte er sie zu Erickson und ich erinnere mich noch genau wie Grinder von Milton zurück kam und sagte: „Alles was wir wissen war falsch, jetzt haben wir eine komplett neue Sicht.“ Jedes mal wenn sie zurück kamen war es etwas Neues, das sie herausfanden. Einmal sagten sie, es ist die Sprache, einmal, nein es ist das Nonverbale.

 

Ich erinnere mich, in einer Vorlesung gab John Grinder uns eine Aufgabe. In ihrer Arbeit erkannten sie diese sehr feinen Zugangshinweise welche die Leute von sich geben. Wir sprachen vorhin über Neurolinguistik und die Thematik wie Sprache das Bewusstsein verändern kann. Grinders Aufgabe war folgende. Er sagte: „Wählt etwas, was ihr noch nie zuvor Aufmerksamkeit geschenkt habt und gebt diesem einen Namen. Achtet, nachdem ihr es einen Namen gegeben habt, wie eure Beziehung, eure Erfahrung damit sich verändert. Ich dachte, das ist eine interessante Aufgabe und sprach mit ihm um es für mich klarer zu machen. Ich fragte ihn: „Was für eine Sache hast du mit, etwas das du noch nie Aufmerksamkeit geschenkt hast, gemeint?“ Er antwortete: „Was war das jetzt zum Beispiel?“ Ich sagte: „Was meinst du?“ Grinder: „Deine Augen haben sich gerade zur Seite bewegt.“ Robert: „Oh, darüber war ich mir nicht bewusst.“ Dann gab ich der Sache einen Namen. Etwas wie, weil meine Erfahrung war, dass ich für einen Moment in mein Unterbewusstsein ging, so etwas wie ein Zugangshinweis für das Unbewusste, ein „Downtime Cue“.

Ich saß da in der Klasse und bemerkte plötzlich wie all die Leute ständig diese unbewussten Zugangshinweise von sich gaben. Sie taten alle diese unbewussten Sachen mit ihren Augen und blinzelten. Natürlich, war das die Basis für die Augenzugangshinweise und dem Kalibrieren.

So profund wie dieses Wissen heute ist, es wird ja in all den Seminaren gelehrt, so war es ganz neu zu dieser Zeit. Wir wussten von all dem nichts. Die ganze Idee der Augenzugangshinweise existierte nirgendwo. Niemand in der Geschichte sprach zuvor darüber. Das war einfach außergewöhnlich. Diese Dinge waren da, ich bin mir sicher alle Menschen hatten seit jeher Augenzugangshinweise, aber niemand brachte ihnen die entsprechende Aufmerksamkeit entgegen. Niemand betrachtete sie als etwas Bedeutsames.

Das Selbe gilt für solche Sachen wie die Submodalitäten. Jeder weiß, es gibt verschiedene Qualitäten, aber keiner hat damit etwas angefangen. Wohingegen im NLP wir darüber Bescheid wissen, dass wenn du das Bild breiter machst, etwas passieren wird. Niemand hat diese Dinge als ein Werkzeug angewandt. Ich bin mir sicher, dass sie es erkannt haben, dass die Augen nach oben, nach links, nach rechts gehen. Aber niemand tat jemals etwas damit.

Da denke ich was Bandler und Grinder taten ist so wirkungsvoll, das sie selber sagten: „Wow, diese Sachen, denen Leute nie ihre Aufmerksamkeit schenken können einen großen Unterschied machen.“ Ich glaube das ist etwas, dass sie von Erickson gelernt hatten. Er war so aufmerksam gegenüber deinen kleinen Dingen, durch die man viele Informationen bekommt und die einen großen Unterschied machen.

 

Dies war mein Start mit NLP und natürlicherweise in diesen Tagen, da gab es keine Techniken, es drehte sich alles ums Modelling. Für uns bedeutete NLP diese ganze Neugierde und etwas zu modellieren und nicht eine Technik zu üben. Es war ein sehr anderes NLP, mehr generativ und ich denke ich trage das auch noch heutzutage in mir. Deswegen habe ich auch soviel Modelling gemacht und mir all diese „Strategien der Genies“ angesehen.

Um zurück zu kommen zu deiner ersten Frage über Kreativität, denke ich, Kreativität war auch eine der großen Grundlagen von NLP. Für mich ist NLP nicht diese Techniken, für mich ist es Kreativität. Auch Richard Bandler sagt: NLP ist eine Einstellung, ist dieser Prozess des Modellings und nicht diese Spur von Techniken, die hinter NLP entstanden sind. Es ist die Sache, die die Technik macht und nicht die Technik selbst. NLP ist eine Haltung, eine Zugangsart, Neugierde. Besonders Neugierde war etwas, was Bandler, Grinder und Erickson so hervorhob.

 

H. G.: Empfiehlst du diese Haltung, die du eben beschrieben hast, jungen, neuen Studenten von NLP einzunehmen, um gute NLPler zu werden?

R. D.: Ja, natürlich. Das ist gelebtes NLP. In der Übung, in der wir uns die kreativen Fertigkeiten der Leute angesehen haben, jede dieser Fertigkeiten kann eine neue Technik werden. Zum Beispiel so wie Franks(ein Teilnehmer) Art kreativ zu sein. Man kann diese hervorheben und eine neue Technik daraus machen. Diese Sachen stehen noch in keinem NLP Buch. Aber wenn du es strukturierst und ein paar Werkzeuge darum machst die mit dieser Technik einhergehen, könntest du weltweit, wie zum Beispiel Reframing damals, eine neue Technik einführen. Ich erinnere mich als Reframing aufkam und jetzt wird es in der ganzen Welt angewandt. Gib ihm einen Namen, strukturiere es und dann kannst du es sogar verkaufen. Jeder kann es dann nutzen und das ist großartig. Das ist das was so wirklich magisch an NLP ist, es erlaubt uns das Feld weiter und weiter wachsen zu lassen. Deswegen nenne ich es auch die dritte Generation – das Feld zu studieren.

 

H. G.: Robert, wie siehst du die Entwicklung von NLP in den nächsten 5 – 10 oder 20 Jahren?

R. D.: Wie ich schon sagte, NLP wächst durch den Prozess des Modelling. Deswegen denke ich, das NLP immer eine Zukunft hat. Es ist nicht wie irgendeine Art von Psychotherapie die kommt und geht. Die eine limitierte Anzahl an Techniken hat, die dann obsolet(nicht mehr gebräuchlich) werden. Das ist genau das, was da draußen so passiert. Ein Teil der Gründe warum ich NLP und nicht irgendetwas anderes wählte, war aller erstens: NLP kann sich um alles drehen. Es kann ums Lernen gehen, um Physik oder Kunst. NLP ist nicht an einen bestimmten Inhalt limitiert.

Noch wichtiger ist Nummer Zwei: Es ist dem NLP eine kreative Zukunft eingebaut. Es gibt immer etwas, dass modelliert werden kann. Was auch immer jemand tut, das exzellent, einzigartig oder außergewöhnlich ist, du kannst es modellieren, kannst NLP darauf anwenden.

Was ich über die Zukunft von NLP in Beziehung zu der 3. Generation denke, ist, wenn du nur die kognitiven Werkzeuge hast, dann bist du limitiert zu dem Grade zu dem dein Verstehen reicht. Am Anfang als Bandler und Grinder modellierten war ihr einziges Modelling-Werkzeug die Sprache. Wenn du die ersten Bücher von ihnen liest, bemerkst du dass sie nicht über die Repräsentationssysteme schreiben. Sie wussten nichts von den Repräsentationssystemen. Der Weg durch den sie die Repräsentationssysteme herausgefunden haben war durch Modelling.

Mit Sprache kannst du nur begrenzt modellieren. Willst du darüber hinaus gehen, zu „wie macht jemand etwas“, dann musst du auf eine tiefere Struktur schauen. Das war Bandler und Grinder möglich als sie zu verstehen begannen, dass wenn Leute so Sachen sagten wie: Ich sehe was du sagst, oder ich habe dieses Gefühl, und so weiter, dass sich dahinter echte Prozesse verbergen. Damit hatten sie dann den Neuro-Part von NeuroLinguistic bekommen. Sie mussten aber über das Kognitive hinweg gehen, um das zu erkennen. Bis hier her ist es dir nur möglich eine Strategie zu modellieren.

Dann kamen die Logischen Ebenen, dann Glaubenssätze, dann somatische Elemente und ultimativ das Feld.

Ich denke NLP startete von einer sehr individualistischen Perspektive. Ich sage immer: NLP waren zwei Revolutionäre die drei Kreditgeber modelliert haben. Das bedeutet Virginia Satir und Fritz Perls entwickelten ihre Ideen alleine. Bandler und Grinder waren sehr rebellisch. Niemand von Ihnen war am sozialen Netzwerken interessiert. Und wie wir sehen, passiert das Netzwerken verstärkt in der Technologie und in Unternehmen. Es geht mehr und mehr Richtung virtueller Teamarbeit und Zusammenarbeit. Nicht individuell. Natürlich benötigst du deine individuelle Performance, aber die wirkliche Bewegung kommt durch die Zusammenarbeit über Systeme. Es schafft eine breitere Struktur als die individuelle Tätigkeit.

So, es gilt darauf zu schauen, was macht eine außergewöhnliche Organisation, oder ein exzellentes Team anders, was macht hier den Unterschied der den Unterschied macht aus.

Der Blick muss auf das System und auf das Feld gerichtet sein. Durch das hinzufügen der Idee des Feldes, ist es jetzt möglich Dinge zu modellieren, die vorher noch nicht modellierbar waren. Auch nicht mit den uns bisher bekannten Modelling Werkzeugen, wie Kognitives Verstehen, Sprache, REPsysteme, etc. . Ich sehe dass wir mehr mit sozialen Netzwerken und Feldern arbeiten werden. Es gibt da ein Zitat: „Wenn der Buddha heute zurück kehren würde, dann würde er nicht als einzelner zurück kommen sondern als eine ganze Gruppe.“ Es sind nicht mehr Individuen sondern Gruppen, Teams und nicht einmal eine Gruppe, die sich in einem physischen, geographischen Bereich zusammen findet. Durch das Netzwerken und die virtuellen Techniken wird es global. So ich denke das ist der interessante Gegenstand den wir mit NLP betrachten werden.

 

H. G.: Eine abschließende Frage, Robert was denkst du über solche Ideen wie ein NLPMagazin?

R. D.: Ich finde, das ist eine gute Sache, es trägt dazu bei das Feld zu vergrößern. Ein Online Magazin, worauf viele Menschen einfach Zugriff haben, ist eine großartige Idee. Ich kann mir auch vorstellen, dass man hier auch Videos zeigt und Audioaufnahmen anhören kann. Das würde das Ganze nochmals erweitern und viele Leute könnten noch mehr davon profitieren.

 

H.G.: Vielen Dank für deine Zeit und das Interview.

R.D.: Herzlich Willkommen, es war mir eine Freude.


Robert Dilts Homepage: http://www.nlpu.com/NewDesign/NLPU.html

Mehr über Kreativität auf Robert Dilts Seite unter(nur in englischer Sprache): http://nlpuniversitypress.com/html/ConCy29.html

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